Reifezeit

Seit ungefähr 4.000 Jahren stechen Heilkundige in aller Welt kleine Nadeln in ausgesuchte Punkte am Körper und bessern, lindern oder heilen damit die verschiedensten Krankheiten.

Das ist ziemlich erstaunlich und man darf wohl mit Recht davon ausgehen, dass etwas, das über so lange Zeit genutzt worden ist, nicht wirkungslos sein kann.

Die Überlebenszeit einiger moderner Pharmaka, die zuvor selbstverständlich ausführlichen wissenschaftlichen Untersuchungsverfahren unterworfen und für tauglich befunden wurden, ist da doch erheblich kürzer.

Selbstverständlich gibt es moderne (natur)wissenschaftliche Untersuchungen, die sich akribisch mit der Akupunktur auseinander gesetzt haben. Die meisten kommen zu dem seit Jahrtausenden bekannten Ergebnis: sie wirkt. Einige andere können das nicht bestätigen.

Alle aber sind sich darin einig: Akupunktur ist so gut wie nebenwirkungsfrei. Etwas, das man sich auch von modernen Pharmaka wünschen würde.

Der Vergleich Akupunktur – Pharmakologie ist schon deshalb unfair der Pharmakologie gegenüber, weil Akupunktur die Reifezeit längst hinter sich gebracht und bestanden hat. Über 3.000 Jahre sind ein nicht so leicht einzuholender Vorsprung. Im Laufe dieser Zeit konnte die Methode in aller Ruhe optimiert werden, Verbesserungen hatten Zeit zur Bewährung und Fehlentwicklungen konnten gesehen, überprüft und korrigiert werden – ohne Druck gewinnoptimierter Konzernchefs, ohne Wettbewerbszwang und ohne Gesundheitsstrukturreformgesetz.

Medikamente wirken einfach – Akupunktur vielfach
Ein Medikament hat eine ganz bestimmte Wirkung, für die es gebaut worden ist.
Die entfaltet es, wann immer es zum Einsatz kommt in immer der gleichen Weise. Andere Wirkungen kennt es nicht. Es ist sehr einseitig. Auch in seiner Kooperationsbereitschaft: Der Körper muss immer auf das Medikament reagieren.

Dass das Medikament auf den Körper und seine Bedürfnisse reagiert und beispielsweise seine Wirkrichtung und Wirkstärke mit ihm abspricht und dessen Notwendigkeiten anpasst, so etwas kommt nicht vor.

Akupunktur macht das.
Akupunktur hat keine sture unveränderliche Wirkrichtung. Akupunktur hört auf den Menschen und dessen Bedürfnisse und passt sich an. Ihr Ziel ist: Den Menschen in die Lage versetzen, das ihm eigene gesunde Gleichgewicht wieder zu erreichen. Zum Beispiel gibt es einen Punkt, der im Rahmen einer Suchtbehandlung bei Durchfall genadelt wird und regelmäßig sehr erfolgreich die Normalität wieder herstellt. Exakt der gleiche Punkt kommt zum Einsatz, wenn bei vorliegender Verstopfung der gegensätzliche Weg zur Herstellung der Normalität einzuschlagen ist. Bei derartiger Rücksichtnahme auf und Kooperation mit dem Körper kann es nicht verwundern, dass Akupunktur keine ernsthaften Nebenwirkungen hat. Es wäre vermutlich sehr unfair, von pharmakologischen Präparaten eine ähnliche Flexibilität zu erwarten.